East African Safari

Kahle muss pausieren

Unverhofft kommt oft: Da Matthias Kahle den Datsun 260Z wegen seiner Handgelenksverletzung heute nicht fahren konnte, drohte eine saftige Zeitstrafe. Doch dann sprang Teamchef Malcolm Destro in die Bresche.

Improvisationstalent gilt im Rallyesport als eine der wichtigsten Tugenden. Matthias Kahle fiel für die heutige Etappe komplett aus, nachdem er sich gestern bei einer Flussdurchfahrt das Handgelenk gestaucht hatte. Bei den meisten Rallyes bedeutet so ein Ausfall das vorzeitige Ende, doch auch hier ticken die Uhren bei der East African Safari Classic Rallye etwas anders. Der Wechsel von Fahrer und/oder Beifahrer während der Veranstaltung ist erlaubt.

So kam es, dass beim Start in die vierte Etappe plötzlich Teamchef Malcolm Destro am Steuer des 280 PS starken Datsun 260Z saß. Der Kenianer hatte die Safari 2013 selbst bestritten und als 14. von 60 Startern das Ziel erreicht. Der Mann aus Nairobi kennt Strecken und Auto also wie aus der Westentasche – und erwies sich als perfekter Ersatz für Matthias Kahle.

„Malcolm hat seine Sache super gemacht, obwohl er sich überhaupt nicht auf die Situation einstellen konnte“, erklärt Navigator Thomas M. Schünemann. „Wir haben erst am Start der Etappe erfahren, dass ein Fahrerwechsel möglich ist. Dann sind wir praktisch sofort eingestiegen und losgefahren. Malcolm hatte ja keinen Helm dabei, zum Glück hat ihm der von Matthias gepasst.“

Statt die Prüfungen auszulassen – was ebenfalls erlaubt ist, aber hohe Zeitstrafen mit sich bringt – und direkt das Etappenziel am Lake Manyara anzusteuern, um dort nach dem Ruhetag wieder ins Geschehen eingreifen zu können, fuhr der Datsun 260Z des HS RallyeTeams also weiter vorne mit. Das neu formierte Duo Destro/Schünemann überstand die drei Prüfungen des Tages ohne Probleme. Nach Platz 24 in der Tageswertung liegt die Mannschaft aus Hamburg zur Halbzeit auf dem 18. Gesamtrang. 

„Was für ein Tag“, strahlte Destro im Ziel. „Das ging alles so schnell heute Früh, dass ich es immer noch nicht glauben kann. Thomas und ich haben uns sehr schnell aneinander gewöhnt, die Chemie im Cockpit stimmte auf jeden Fall.“ Dabei war es für Navigator Schünemann das erste Mal in über 40 Jahren Motorsport, dass er seine Ansagen auf Englisch formulieren musste. „Der Umstieg hat erstaunlich gut funktioniert. Am Anfang habe ich manchmal noch nach dem richtigen Wort gesucht, aber das hat sich schnell wieder gelegt“, erklärt der 64-jährige.

Hoffnung für Kahle

In der zweiten Rallyehälfte wird Schünemann aber vermutlich wieder den altbewährten Partner an seiner Seite wissen. Aktuell sieht es so aus, als könne Matthias Kahle nach dem Ruhetag am Lake Manyara wieder das Steuer des 1973er Datsun übernehmen. Dann wird Stig Blomqvist auch versuchen, seine Führung im Gesamtklassement zu verteidigen. Der Schwede führt die Rallye weiterhin vor seinem Landsmann Richard Göransson und dem Belgier Grégoire de Mévius (alle Porsche 911) an. 

So geht’s weiter: Nach der Pause am Lake Manyara geht es mit einer sehr schwierigen Etappe weiter. Die Route beinhaltet viele harte, steinige Pisten im Norden Tansanias. Hier sind Durchhaltever-mögen und ein sensibler Gasfuß gefragt. Zum Abschluss sind die Beifahrer gefordert, denn diese Prüfung beschreibt der Veranstalter als „Albtraum für Navigatoren“. Distanz: 347 km, in Wertung: 232 km

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