Erinnerung an Henri Toivonen

Vor 30 Jahren verloren Henri Toivonen und sein Beifahrer Sergio Cresto während der Rallye Korsika ihr Leben. Der Unfall der Lancia-Piloten markierte das Ende der Gruppe-B.

Vor 30 Jahren verloren Henri Toivonen und sein Beifahrer Sergio Cresto während der Rallye Korsika ihr Leben. Der Unfall der Lancia-Piloten markierte das Ende der Gruppe-B.

Pauli ist groß, Pauli sieht gut aus. Pauli ist cool, spielt Kontrabass in einer Band. Und er kann Autofahren. Mit Mitte 30 ist er einer der schnellsten Autofahrer der Welt. Pauli wird finnischer Meister, skandinavischer Meister, Europameister, siegt bei der 1000-Seen-Rallye. Pauli ist clever, hat ein Gefühl fürs Geschäft. Als er mit 76 aus seinem Mittagsschläfchen nicht mehr aufwacht, hinterlässt er vier Autohäuser.

Aber das ist alles fast Nebensache. Das Wichtigste, was Pauli in seinem Leben gelingt, ist Ulla Enlund schwach zu machen. Die hübsche junge Dame schenkt ihm und der Welt zwei Söhne. 24 Jahre nach der Geburt des Ältesten, geht dieser als jüngster WM-Laufsieger in die Rallye-Geschichte ein. 20 Jahre nach Papa Pauli gewinnt Henri „Henkka“ Toivonen 1986 die Rallye Monte Carlo.

Henri ist in allem mit Rädern unfassbar schnell. Er war schon Junioren-Kartmeister. Bei einem Gastauftritt in der englischen Formel-3-Meisterschaft startet er von der Pole Position und gewinnt das Rennen. Sein Teamchef, ein gewisser Eddie Jordan, vergleicht ihn mit Ayrton Senna. Zu was er sonst noch alles fähig gewesen wäre, wird die Welt nie erfahren. Henri Toivonen stirbt heute vor 30 Jahren bei einem schweren Unfall auf Korsika.

Die genauen Umstände sind bis heute ungeklärt. Toivonen laboriert an einer Erkältung und verbringt die kurzen Erholungsphasen weitgehend im Lancia-Wohnmobil. Trotzdem liegt er nach zwei Etappen mit drei Minuten vorn. Doch auf der 18. Prüfung gerät sein Lancia Delta S4 nach einer Linkskurve von der Strecke und stürzt einen Abhang hinab. Die Aluminium-Tanks unter dem Fahrsitz zerbrechen beim Aufprall und das Auto geht sofort in Flammen auf. Für den Finnen und seinen Beifahrer Sergio Cresto kommt jede Hilfe zu spät. „Auch wenn im Moment alles gut läuft, ist diese Rallye Wahnsinn. Wenn es ein Problem geben sollt, bin ich so gut wie tot“, hatte Henri noch am Vorabend erklärt.

Toivonen wurde gerade einmal 29 Jahre alt. Nach seinem Tod verkündet der damalige Weltverband FISA das Ende der Gruppe-B.

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