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"Meisterschaft wieder offen..."

Brillanter erster Saisonsieg für Super 1600-Titelverteidiger Carsten Mohe: Auf den knüppelharten Schotterpisten der Pneumant war der Renault-Pilot eine Klasse für sich.

<strong>Souverän:</strong> Carsten Mohe und André Kachel in Wittenberg

Mit 13 von 17 WP-Bestzeiten ließ der Crottendorfer nie einen Zweifel über den Ausgang der ?deutschen Akropolis? aufkommen, die sein frontgetriebener Renault Clio Super 1600 klaglos überstand ? im Gegensatz zu den Fahrzeugen mancher Klassenkonkurrenten. In der Meisterschaft rückten Mohe und sein Beifahrer André Kachel auf Platz zwei vor.

 

Als Vorjahressieger wusste der schnelle Sachse, welch heißer Schotter-Tanz die deutsche Super 1600-Elite rund um die Lutherstadt Wittenberg erwartete: ?Ich befürchte eine Materialschlacht?, erklärte der Kfz-Meister nach dem Studium der Streckenpläne. ?Es kommt darauf an, die richtige Mischung aus Speed und vorsichtiger Fahrweise zu finden?.

 

Zumindest die erste Zutat dieser Mischung brauchte Mohe nicht lange zu suchen: Auf jeder der ersten fünf Wertungsprüfungen fuhr der Renault-Spezialist die schnellste Zeit. Mit diesem furiosen Auftakt legte er gleich einmal eine halbe Minute Abstand zwischen sich und die hoch eingeschätzten Verfolger Sven Haaf und Niki Schelle. ?Besser ging es nicht?, strahlte der Super 1600-Meister denn auch am Ende des ersten Rallye-Tages.

 

In einer Hinsicht doch ? für Mohes härteste Konkurrenten um den Fronttriebler-Titel begann der Tag der Arbeit mit unfreiwilliger Freizeit: Der bis dahin Tabellenzweite Schelle konnte wegen eines Hinterachsschadens an seinem Suzuki Ignis zur zweiten Etappe nicht mehr antreten, und Tabellenführer Haaf riss sich auf der ersten Sonntags-Prüfung an einem Stein ein Vorderrad seines Citroën Saxo ab. Die Ausfälle der Topleute bewiesen zweierlei: Erstens ließen Mohe und Copilot Kachel in der Tat auch die notwendige Vorsicht walten, denn sie hatten die tückische Prüfung, in der Sven Haaf auf Grund lief, unbeschadet ? und mit Bestzeit ? überstanden. Zweitens aber zeigte sich nun, dass die bis zu viermal befahrenen Strecken zu einer ernsten Gefahr für die Fahrzeuge wurden.

 

?Die Autos brechen langsam auseinander?, erklärte Mohe, der sich aus Sicherheitsgründen für die Absage einiger besonders ausgefahrener Prüfungen aussprach. Der Veranstalter hatte ein Einsehen und strich WP 14 ersatzlos. ?Eine richtige Entscheidung?, bestätigte Copilot André Kachel. ?Für Fronttriebler waren die Pisten stellenweise unfahrbar. Auch wir haben einmal mächtig einen Stein getroffen, doch am Clio blieb alles heil.?

 

Das beruhigende Zeitpolster und die gnadenlosen Spurrillen bestimmten in der Folge die Taktik des Renault-Teams ? zumindest auf dem Papier. Denn Vollgas-Pilot Mohe setzte seine Losung ?Wir wollen nur ins Ziel kommen? auf seine ganz eigene Weise um: Sieben WP-Bestzeiten verbuchte der 31-jährige auf der zweiten Etappe. ?Ich habe ihn zwischendurch gefragt, ob er vielleicht noch eine Gesamtbestzeit fahren wollte?, schmunzelte André Kachel im Ziel. ?Doch das ist eben Carstens Art: Er fühlt sich besser, wenn er attackieren kann, statt nur herumzurollen.? Der Thüringer auf dem heißen Sitz bangte und hoffte ? mit Erfolg: Als souveräne Super 1600-Sieger und Sechste der Gesamtwertung holten die beiden ihren ersten Saisonsieg und rücken damit auf Rang zwei in der Super 1600-Tabelle vor.

 

?Damit ist unser Ausfall zum Saisonstart vergessen?, jubelte Kachel im Ziel in Wittenberg und Carsten Mohe freute sich: ?Jetzt ist die Meisterschaft wieder offen?. Seinem Heimspiel fiebert er nun doppelt entgegen, denn bei der Rallye Sachsenring in drei Wochen wollen Mohe/Kachel die verbliebene Lücke zu Meisterschaftsrang eins schließen.

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