Kevin Abbring: Zwischen R5 und WRC

Kevin Abbring soll als Testfahrer nicht nur den i20 R5 konkurrenzfähig machen, sondern spielt auch eine große Rolle bei der Entwicklung des neuen World Rally Cars. Der 27-jährige Holländer spricht mit uns über seine wichtige Rolle im Hyundai-Motorsportprogramm.

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Kevin Abbring soll als Testfahrer nicht nur den i20 R5 konkurrenzfähig machen, sondern spielt auch eine große Rolle bei der Entwicklung des neuen World Rally Cars. Der 27-jährige Holländer spricht mit uns über seine wichtige Rolle im Hyundai-Motorsportprogramm.

Du testest nicht nur den neuen Hyundai i20 R5, sondern wirst auch bald im 2017er World Rally Car sitzen. Größer könnten die Unterschiede nicht sein, oder?
„Auf jeden Fall! Der Unterschied liegt ja nicht nur in der Motorleistung, wir haben auch verschiedene Getriebe. Im R5 sind nur fünf Gänge erlaubt, das World Rally Car hat sechs. Also muss ich einen unterschiedlichen Aufschrieb verwenden. In Kürze werden wir die Tests mit dem WRC 2017 beginnen, ein gewaltiger Schritt nach vorn, es wird deutlich schneller sein. Ich habe noch keine Ahnung, wie groß der Sprung sein wird, aber bald werde ich es wissen. Bislang ist das neue Auto noch nicht gefahren, wir haben lediglich in einem alten Testauto einige Teile ausprobiert.“ 

Wie viel Testarbeit hast Du bereits mit dem i20 R5 absolviert?
„Wir haben mit ein paar Einstellungsfahrten in Deutschland begonnen. Anschließend folgten zwei große Schottertests in Südfrankreich und nun geht es auf Asphalt. Ich kann nichts über den Termin für die Homologation sagen, aber ich denke, dass die uns zur Verfügung stehenden sechs Monate nicht viel sind, um die ganze Arbeit zu schaffen. Mit jedem Test bekommen wir das Auto ein wenig besser, aber es ist nicht vergleichbar mit unserer Arbeit am World Rally Car. Das 2017er WRC baut auf dem 2016er Modell auf. Der R5 ist jedoch das erste Modell dieser Art von Hyundai und wir wollen in allen Bereichen sicher sein, bevor es zur Homologation kommt. Bislang läuft alles problemlos.“

Der neue Hyundai i20 R5 soll bereits im Sommer ausgeliefert werden

Du bist den Peugeot 208 T16 gefahren, wo steht der i20 R5 im Vergleich?
„Ich hoffe doch er ist besser! Der Peugeot gab uns die Messlatte vor und eine Vorstellung von dem, wie die Dinge aussehen können. Allerdings war ich damals nicht in die Entwicklung eingebunden und sicherlich gibt es immer viele Sachen, die man anders machen würde. Ich habe außerdem einen Fiesta R5 getestet, deshalb haben wir einige Vergleichsmöglichkeiten. Aber auch bei den World Rally Cars bin ich bereits einige Modelle gefahren. Ich saß schon im VW Polo, Toyota Yaris, Hyundai i20 und Citroën DS3.“

Wie lassen sich die R5-Autos mit den alten S2000 vergleichen?
„Wenn ich an Ende 2014 denke, als ich für Volkswagen einen Fabia S2000 fahren konnte, dann fühlte sich der S2000 schneller an. Der Schwerpunkt ist ein wenig tiefer, was einen mehr Stabilität besonders in den schnellen Kurven gibt. Der R5 fühlt sich weniger wie ein Gokart an. Aber die Fahrzeuge werden jedes Jahr verbessert. Wenn man sich den überarbeiteten Ford Fiesta anschaut, sieht man, dass der Abstand zwischen WRC und R5 auf manchen Prüfungen gar nicht mehr so groß ist.“  

Wie ist es anschließend ein WRC zu fahren?
„Für mich ist ein World Rally Car das Auto, was am schwersten zu fahren ist. Es scheint am Anfang ganz einfach, aber je schneller man wird, umso schwerer wird es. Es braucht eine ganze Weile, ehe man wirklich kapiert, wie man eine Kurve am besten meistert. Es ist wirklich schwer zu merken, ob man gut fährt, oder richtig gut. Das ändert sich möglicherweise im nächsten Jahr, wenn die neuen Regeln gelten.“

In Kürze beginnt Hyundai mit dem Test des neuen WRC, das auf dem aktuell Modell basiert

Du wirst in dieser Saison drei WM-Läufe mit dem WRC bestreiten. Stehen auch R5-Einsätze auf dem Plan?
„Wir beginnen mit Portugal und Sardinien, die ich zum ersten Mal mit einem WRC bestreiten werde. Es ist gut, dass beide Rallyes dicht zusammenliegen, denn im letzten Jahr hatte ich zwei oder drei Monate Pause zwischen meinen Einsätzen, da vergisst man wie sich das Auto anfühlt. Ich werde die ersten beiden Läufe mit dem alten i20 WRC bestreiten, denn im Moment gibt es noch kein 2016er Ersatzauto. Weil wir in der Testarbeit stark eingebunden sind, weiß ich noch nicht, welche Läufe ich fahren werde. Was den R5 angeht, besteht vielleicht die Möglichkeit mit dem Auto bei Rallyes anzutreten, auch um es den Leuten vorzustellen.“