Latvala-Sieg in Wittenberg

Jari Latvala und Kari Mustalahti feiern auf den Schotterpisten der Rallye Wittenberg einen Start-Ziel-Sieg im Mitsubishi Evo 3 vor Martin Christ und Tino Krajewski im Evo 9.

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Jari Latvala und Kari Mustalahti feiern auf den Schotterpisten der Rallye Wittenberg einen Start-Ziel-Sieg im Mitsubishi Evo 3 vor Martin Christ und Tino Krajewski im Evo 9.

Die 53. ADMV-Rallye Lutherstadt Wittenberg eröffnet den neuen DMSB Rallye Cup für Rallye-70-Veranstaltungen. Die WP-Kilometer wachsen von 35 auf 62 an, der Wittenberger Charakter bleibt unverfälscht erhalten: Nur 7% Asphalt, auf den restlichen 93% wechselt der Belag ständig zwischen schnellen und knüppelharten Feldwegen, gelegentlich mit ausgefahrenen Spuren im Sand, und kurvenreichen Waldwegen, die fast immer aus festen Sandwegen mit dünner Schlammschicht bestehen. Das Urteil der Fahrer ist geteilt wie immer: Dark Liebehenschel findet die Strecke „genial“ und „einmalig in Deutschland“, andere empfinden die Rüttelpartie als zu hart. Das trockene Wetter in der letzten Woche und einige Fuhren Schotter zeigen positive Wirkung in denjenigen Abschnitten, die noch eine Woche zuvor kritisch aussahen. Von den 70 Teams, die in der Wittenberger Innenstadt mittags gestartet sind, erreichen 42 den Parc Fermé.

Gleich auf der ersten Prüfung bei Woltersdorf – der kleine Ort ist für sieben Stunden nur über einen 5 km langen einspurigen Sandweg durch den Wald zu erreichen! – setzt sich Latvala mit dem zwanzig Jahre alten, aber bestens gepflegten Evo 3 an die Spitze, gefolgt von Martin Christ im eigenen Evo 9 im Gruppe-N-Trimm. Dahinter überrascht ein Lokalmatador: Der Grieche Kosta Tsiflidis, Gastwirt aus Wittenberg, scheucht den 17 Jahre alten CTC-Subaru auf den dritten Platz, dicht gefolgt von einen bunten Pulk mit Jeffrey Wiesner im Gruppe-H-Volvo 240, Danilo Voigtmann im Ex-Koch-Impreza, Mark Muschiol im Renault Clio, Andreas Rink in einem weiteren CTC-Impreza, Sebastian Vollak in seinem BMW 318 Compact und Dark Liebehenschel mit seinem Citroën Saxo im Gruppe-F-Trimm.

Die 10 km lange Apollensdorf-Prüfung sieht auf den ersten vier Plätze die gleiche Rangfolge, doch an Wiesners Volvo (Differenzial) und Muschiols Clio (Antriebswelle) hält die Kraftübertragung dem Tempo nicht stand. Dann folgt die mit 13,3 km längste Prüfung; der Klassiker von Reinsdorf nach Mochau wird diesmal über Grabo bis Nudersdorf verlängert, mit herrlichen breiten und schnellen Schotterwegen am Schluss. Latvala gewinnt auch diese Prüfung und verfügt bei der Halbzeitpause in Straach über ein solides Polster von 38 Sekunden auf Christ. Kosta Tsiflidis wird von einem defekten Hauptbremszylinder gestoppt und muss ebenso aufgeben wie die Voigtmann-Brüder mit Motorproblemen am Subaru. Auf die Plätze 3 und 4 sind die beiden schnellsten Nicht-Allradler vorgerückt. Sebastian Vollak und sein neuer Co Peter Messerschmidt treiben den auf rund 180 PS erstarkten BMW 318 im Tiefflug durch den Fläming und mit nur 1:20 Minuten Rückstand auf Latvala aquf Rang 3. Nur zehn Sekunden dahinter erreichen Dark Liebehenschel und Markus Drüge die Pause – sensationell für ein 1600-cm³-Gruppe-F-Auto. Der bekennende Wittenberg-Fan Liebehenschel muss seinen Citroën C2 R2 wegen fehlender Getriebeteile in der Werkstatt lassen und holt als Ersatz den „alten“ Saxo aus der Garage, der immerhin mit 165 PS gut im Futter steht.

Das Berliner Subaru-Team Andreas Rink und Gernot Polzin führt auf Rang 5 die starke C28-Klasse an, ihr Konkurrent Ken Milde hat sich im Evo 8 nach schwachem Start (neun Jahre ohne Schotter!) in die Top Ten gefahren, umrahmt von den 2-Liter-Gruppe-F-Autos der Brüder Bernd und Dirk Knüpfer (Opel Astra und Honda Civic) und Stephan Dammaschke sowie dem Driftkönig Petri Reinikainen im Mercedes 190, der allerdings auf WP 4 mit einem zerstörten Dämpfer ausrollt.

Diese WP 4, der zweite Durchgang rund um Woltersdorf, bringt noch einmal Spannung an der Spitze. Denn Latvala eckt hinten rechts an einem Baum an, muss den Motor neu starten und rangieren, so dass er dreißig Sekunden einbüßt. Außerdem steht das rechte Hinterrad abenteuerlich schief, der M+S-Reifen scheuert am Kotflügel. Martin Christ liegt nur 18 Sekunden zurück, doch er muss die Attacke abblasen, weil sein Motor Aussetzer zeigt. Somit können Jari Latvala und Kari Mustalahti den Sieg in der Lutherstadt mit zwei abschließenden Bestzeiten überlegen sichern. Doch mit den Gedanken ist der Sieger einige Tausend Kilometer entfernt bei seinem Sohn: „Das ist ein schöner Sieg für mich“, sagt er unterm Zielbogen, „aber das Wochenende ist erst perfekt, wenn es mir Jari-Matti in Mexico gleich macht.“

Martin Christ und Tino Krajewski werden ungefährdete Zweite. Der Kampf um den dritten Platz und die Ehre des besten „Zweiradlers“ spitzt sich noch einmal zu. Dark Liebehenschel erzielt – mit Startnummer 16 noch im Dämmerlicht unterwegs – auf der Reinsdorf-Prüfung eine sagenhafte zweitschnellste Zeit und rückt Sebastian Vollak, der mit Nummer 50 im Dunkeln startet, noch auf die Stoßstange. Doch Vollak und Messerschmidt halten Platz 3 mit knappem Vorsprung. Andreas Rink und Gernot Polzin gewinnen als Fünfte die CTC-Klasse vor Ken Milde und Heinke Möhrpahl sowie dem grippekranken René Möller und Ingo Dörstling. Dazwischen schieben sich aber noch die drei Vollak-Verfolger aus der 2-Liter-Klasse der Gruppe F: Bernd Knüpfer und Daniel Herzig prügeln den alten Astra GSi (der Turbo kommt zur Roland-Rallye) auf Platz 6, sein Brüder Dirk und Copilotin Jacqueline Heilsberg erreichen hinter Stephan Dammaschke uund Julia Siegel Rang 9.

Schotter-Cup Organisator Alfred Gorny und sein neues Zugpferd Jari Latvala

Unter den acht Cup-Volvo machen Werner Löseke und Charly Beck die Sache unter sich aus. Beck führt anfangs, doch ohne 3. Gang kann er Löseke nicht halten. Sieger der Klasse 3B werden Björn Becker und Dirk Mürkens im Audi 90 Quattro vor den beiden Volvo. Nach den Ausfällen von Wiesner, Reinikainen und Muschiol taucht erst auf Rang 14 wieder ein Gruppe-H-Fahrzeug auf. Der früheren Micra-Fahrer Markus Puschmann gewinnt die 2-Liter-Klasse im BMW 318is. „Der Heckantrieb war am Anfang sehr ungewohnt für mich, aber nachher hat es unheimlich Spaß gemacht“, berichtet er im Ziel.

Bei den 1300ern gewinnen Uwe Joachim und seine erst 15-jährige Copilotin Yasmine Fritzsche ihr Heimspiel im Opel Kadett vor zwei Micra, bei den Trabis kämpfen sich  Benjamin Derda und Maria Kretzschmar vor heimischer Kulisse im zweiten Umlauf am zunächst führenden Denny Hantke und René Meier vorbei, die sich mit dem ITRM-Tagessieg schadlos halten.

Ergebnis Rallye Lutherstadt Wittenberg 2016

1.Jari Latvala / Kari Mustalahti Mitsubishi Evo 3 H16 36:52,0
2. Martin Christ / Tino Krajewski Mitsubishi Evo 9 F3A +0:55,2
3. Sebastian Vollak / Peter Messerschmidt BMW 318 Compact F8 +1:51,5
4. Dark Liebehenschel / Markus Drüge Citroën Saxo VTS F9 +1:57,7
5. Andreas Rink / Gernot Polzin Subaru Impreza C28 +2:32,3
6. Bernd Knüpfer / Daniel Herzig Opel Astra GSi 16V F8 +2:50,1
7. Ken Milde / Heinke Möhrpahl Mitsubishi Evo 8 C28 +2:55,5
8. Stephan Dammaschke / Julia Siegel Ford Escort RS 2000 F8 +3:30,5
9. Dirk Knüpfer / Jacqueline Heilsberg Honda Civic R F8 +3:36,8
10. René Möller / Ingo Dörstling  Subaru Impreza C28 +4:13.5
11. Björn Becker / Dirk Mürkens Audi 90 Quattro F3B +4:26,4
12. Marcus Heß / Laura Gürtler VW Polo GTI F9 +4:27,8
13. Werner Löseke / Daniel Rosenmüller Volvo 940 VOC F3B +4:43,5
14. Markus Puschmann / Marcel Heuer BMW 318is E30 H14 +4:44,0
15. Karl-Fr. Beck / Sebastian Kröniger Volvo 940 VOC F3B +5:02,6

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