Schweden auf Schotter: Gefährliches Highspeed-Fest

Weil die Spikereifen auf Schotter noch mehr Grip bieten als auf Eis und Schnee, werden die Geschwindigkeiten der Rallye Schweden deutlich ansteigen. Gefährlich wird es, wenn plötzlich Väterchen Frost zugeschlagen hat.

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  • Niemand kann im Moment sagen, wie lange die Spikes auf Schotter halten

    Niemand kann im Moment sagen, wie lange die Spikes auf Schotter halten

Weil die Spikereifen auf Schotter noch mehr Grip bieten als auf Eis und Schnee, werden die Geschwindigkeiten der Rallye Schweden deutlich ansteigen. Gefährlich wird es, wenn plötzlich Väterchen Frost zugeschlagen hat.

Mit einem mulmigen Gefühl starten die Fahrer in die morgen beginnende Rallye Schweden. Viele Prüfungen präsentieren sich schnee- und eisfrei, der Winterklassiker ist größtenteils zu einem Schotterlauf geworden. Vor allem die Prüfungen am Samstag und Sonntag bereiten allen Beteiligten Kopfzerbrechen. Trotz der großen Anstrengungen seitens des Veranstalters, der mit schwerem Gerät die Fahrbahnen nach dem Recce wieder glattzieht, wird nicht mit einem reibungslosen Ablauf gerechnet.

Sorgen bereiten vor allem die Spikereifen. Nicht nur weil deren Lebensdauer auf rauen Geläuf stark reduziert wird, sondern auch weil die Geschwindigkeiten deutlich ansteigen werden. „Die Traktion ist mit den Spikereifen besser als mit Schotterreifen. Ich gehe deshalb davon aus, das wir stellenweise schneller als im Vorjahr sein werden“, erklärte VW-Pilot Jari-Matti Latvala, dem vor jenem Moment schaudert, wenn die Spikes auf Schotter rausgerissen wurden und man anschließend auf Eis gerät. „Wir haben hier keine Safety-Crews, die uns vor solchen Stellen warnen würden. Ich möchte so eine Situation nicht erleben, wenn man von einer Kurve zur nächsten plötzlich keinen Grip mehr hat.“

Einsatz von Schotterreifen nicht machbar

Reifenlieferant Michelin ist deshalb höchst angespannt. Niemand möchte erleben, dass ein Fahrer bei hoher Geschwindigkeit von der Strecke fliegt, weil seine Spikereifen keinen Halt mehr bieten konnten. Der vielfach diskutierte Wechsel auf Schotterreifen wäre selbst mit einer Ausnahmegenehmigung der FIA nicht möglich gewesen. Die bereits für die Rallye Argentinien produzierten Reifen, die man in der Kürze der Zeit nach Schweden hätte bringen können, funktionieren nicht im Temperaturfenster rund um den Gefrierpunkt.

Ein weiterer Punkt den es zu beachten gilt: Weil sich die schmalen Spikereifen förmlich in den Boden fräsen, rechnen die Fahrer mit tiefen Spurrillen, in denen die relativ hochwandigen Schweden-Pneus von der Felge gezogen werden könnten. Die Gefahr von Reifenschäden steigt dadurch ebenfalls beträchtlich und könnte vor allem für die später gestarteten Fahrer zum Problem werden. Die FIA gestattete den Fahrern bereits vier zusätzliche Reifen und Latvala versucht gelassen zu bleiben: „Wir fahren jetzt erst einmal los und werden sehen was dann passiert.“