39 aus 80: Die Reifen-Lotterie von Monte Carlo

Trockener Asphalt, Regen, Schnee und Eis: Kein anderer Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft stellt die Teilnehmer bezüglich der Reifenwahl vor größere Herausforderungen als der Saisonauftakt rund um Monte Carlo.

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  • Die Reifenwahl ist bei der Rallye Monte Carlo besonders schwer

    Die Reifenwahl ist bei der Rallye Monte Carlo besonders schwer

Trockener Asphalt, Regen, Schnee und Eis: Kein anderer Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft stellt die Teilnehmer bezüglich der Reifenwahl vor größere Herausforderungen als der Saisonauftakt rund um Monte Carlo.

Trockenheit oder Regen? Schnee oder blankes Eis? Pfützen oder überfrierende Nässe? Diese Fragen sollten bei der Rallye Monte Carlo geklärt werden, bevor es an die Reifenwahl geht. Doch genau das ist der Knackpunkt der „Monte“: Das Wetter und die Streckenverhältnisse sind alles andere als leicht einzuschätzen – nicht selten, dass allein auf einer Wertungsprüfung von allem etwas dabei ist. Auf der Sonnenseite eines Berges herrscht Trockenheit, eine Kurve später, auf der Schattenseite, hat sich womöglich spiegelglattes Eis gebildet. 

„Die ‚Monte‘ ist unglaublich komplex. Man muss für bis zu drei komplett unterschiedliche Wertungsprüfungen die besten Reifen auswählen“, sagt Michelin-Techniker Hugues Pierron. „Man kann nie die perfekten Reifen für alle drei Wertungsprüfungen auswählen. Das ist schlichtweg nicht möglich. Gefragt ist der perfekte Kompromiss. Dafür haben wir unsere Leute, die uns zum Beispiel genau sagen, dass es bei Kilometer eins Schnee gibt, ab Kilometer sechs die Strecke abtrocknet und es von Kilometer 20 bis zum Ziel stellenweise Glatteis gibt. Zusammen mit dem Fahrer treffen wir dann die Reifenwahl.“

Wohl dem, der sich dabei auch auf eine gute Besatzung seines „Route Note Cars“ verlassen kann. Die Eisspione fahren die Strecke vor dem Start der Wertungsprüfung ab und geben die gesammelten Informationen an den Beifahrer durch, der seinen Aufschrieb entsprechend ergänzt. In Sachen Reifen stehen den Rallye-WM-Piloten maximal 20 weiche und 24 superweiche Asphaltreifen zur Verfügung, zwölf Winterreifen ohne und 24 mit Spikes. Aus diesem 80-Reifen-Kontingent dürfen während der Rallye maximal 39 Pneus gewählt werden. Und zwar jeder zu seiner Zeit: Neben den vier montierten Rädern befinden sich maximal noch zwei Ersatzräder im Kofferraum.

„Bei der ‚Monte‘ muss ich mich auf eine Reifenwahl in letzter Sekunde einstellen. Im vergangenen Jahr gab es so eine Situation mit Sebastien Ogier. Laut Vorhersage sollte es an diesem Tag nicht schneien. Alle Meteorologen waren sich sicher. Pünktlich zur Wertungsprüfung begann es aber doch zu schneien. Dann fragten mich alle, warum ich diese Reifen ausgewählt habe. Dabei habe ich mich nur nach den Informationen unserer Wetterleute gerichtet. Wenn man das Wetter bei der ‚Monte‘ kennt und einschätzen kann, ist das ein riesiger Vorteil“, so Pierron weiter.