Zieht sich TMG aus dem WRC-Projekt zurück?

Das Toyota-Comeback befindet sich weiterhin in ungeordneten Bahnen. Nachdem Tommi Mäkinen die Führung an sich gerissen hat und das Projekt in Finnland ansiedelt, scheint die Kölner Toyota Motorsport GmbH auch die letzte WRC-Aktivität eingestellt zu haben.

Autor: 

Das Toyota-Comeback befindet sich weiterhin in ungeordneten Bahnen. Nachdem Tommi Mäkinen die Führung an sich gerissen hat und das Projekt in Finnland ansiedelt, scheint die Kölner Toyota Motorsport GmbH auch die letzte WRC-Aktivität eingestellt zu haben.

In zwölf Monaten will Toyota das Auto der FIA zur Homologation vorstellen, mit dem man ab Januar 2017 in der Rallye-Weltmeisterschaft wieder Erfolge feiern will. Es steht viel auf dem Spiel, schließlich galten die Japaner viele Jahre lang als die Erfolgsmarke in der Topliga, ehe man mit dem Trauerspiel in der Formel-1 begann. Ein ähnliches Debakel droht sich jetzt in der Rallye-WM wiederholen, denn die Art und Weise, wie das neue WRC-Projekt umgesetzt wird, löst in der Szene größtenteils Kopfschütteln aus. 

Begann die Toyota Motorsport GmbH (TMG) vor etwa zwei Jahren - zunächst noch auf eigene Faust - mit der Entwicklung des World Rally Cars, so rechneten viele Beobachter mit einer ausgeklügelten Strategie und einer langfristigen Planung des Weltmarktführers. Doch die Berufung von Tommi Mäkinen als neuen Teamchef sorgte für die ersten Zweifel an der Umsetzung, denn die Aufgabe ist gewaltig und mehr als seine kleine Motorsportschmiede hatte der Ex-Weltmeister bislang nicht geleitet. Aber kein Geringerer als Toyota-Präsident Aki Toyoda hievte seinen finnischen Rallye-Kumpel höchstpersönlich in das Amt und gewährte ihm offensichtlich nicht nur ein großes Budget, sondern auch entsprechende Handlungsfreiheiten.

Die Zeit drängte und Mäkinen wollte sofort Vollgas geben, doch anders als noch im Sommer angekündigt, scheint das Projekt zu stocken. Nichts wurde aus den für Ende September angekündigten Strategie- und Strukturplänen. Im Gegenteil. Bis auf die halbherzige Verlautbarung, das WRC-Projekt in seiner Heimat Jyväskylä zu stationieren und dort eine neue Firmenzentrale zu bauen, ist wenig passiert. 

TMG will keinen Motor liefern

Schlimmer noch, nun scheint auch die von beiden Seiten ungeliebte Zusammenarbeit zwischen TMR (Tommi Mäkinen Racing) und TMG zu scheitern. Die kaltgestellte Kölner Truppe soll keine Interesse daran haben, nur als Zulieferer für wesentliche Komponenten, allem voran den Motor zu dienen. In Finnland kursieren Gerüchte, dass bei TMG alle Aktivitäten, dies sich um das World Rally Car drehen, zum Jahresende eingestellt werden und gar Teile der am WRC-Bau beteiligten TMG-Belegschaft freigestellt werden. Mäkinen soll daraufhin sofort beim französischen Motorenspezialisten Pipo angeklopft haben, doch dessen Partner Hyundai hob umgehend den Zeigefinger und wies auf die vertraglich vereinbarte Exklusivität bei der WRC-Motorenentwicklung hin. Spätestens im März sollen die Testarbeiten mit dem Yaris WRC ‚Made in Finland’ beginnen. Welches Triebwerk das Auto anschiebt, steht deshalb aktuell in den Sternen.

Übrigens: Bei TMG soll der erste Prototyp im reinrassigen 2017er-Trimm nahezu fertiggestellt gewesen sein. Damit wäre man das erste Team überhaupt gewesen, dass ein Fahrzeug der nächsten WRC-Generation testen kann. Diesen Vorsprung hat man durch das Durcheinander der letzten Wochen verspielt.