Favoritenstraucheln in Birkenfeld

Die Birkenfelder ADAC Löwen-Rallye machte ihrem guten Namen wieder alle Ehre. Dauerregen am Morgen verschärfte die Bedingungen auf den ohnehin extrem anspruchsvollen Wertungsprüfungen, so dass kaum ein Fahrer ohne einen Ausritt durchkam.

  • PECH: Rainer Noller leistet sich einen seltenen Fahrfehler und landete auf dem Dach

    PECH: Rainer Noller leistet sich einen seltenen Fahrfehler und landete auf dem Dach

Zum Auftakt ging es zur Prüfung „Rohrbach“, die komplett neu war und für manch unangenehme Überraschung sorgte: Während die erste Hälfte über schnelle Kreisstraßen führte, bogen die Fahrzeuge mit einer Handbremskehre auf Feldwege ab, ab hier begann für die meisten das große „Straucheln“!

 

Als Topfavoriten eröffneten das bunte Treiben Rainer Noller und Uwe Walz, die zum letzten Test vor der Rallye Sachsen im neuen Mitsubishi Evo 9 (Ex Hachenberg) antraten. In einer leichten Linkskurve kam das Erfolgsduo auf den Grünstreifen und rutschte auf einen Erdwall, der den Wagen unsanft abbremste und aufs Dach beförderte. Auch Georg Berlandy und Peter Schaaf suchten im bärenstarken BMW M3 verzweifelt nach Gripp und rutschten bereits eine Kurve zuvor in die Botanik, doch im Gegensatz zum Mitsubishi ging die Fahrt für den BMW weiter. Die Bestzeit fuhren Willi Stumpf und Jenny Zimmer im Grupp G Toyota Celica GT4, doch aufgrund eines Tankstopps überzogen sie die Zeit auf der Verbindungsetappe und kassierten zehn Strafsekunden. Somit übernahm Frank Schlinck (Mitsubishi) die Führung vor den schnellsten heckgetriebenen Fahrzeugen von Michael Rausch (Opel Ascona B) und Frank Reiter (BMW M3).

 

Bis zur Halbzeit kämpfte sich auch Georg Berlandy mit einer Best- sowie einer zweiten Gesamtzeit wieder in Schlagdistanz zur Spitze, das mit Frank Schlinck und dem Luxemburger Claude Streicher aus zwei Mitsubishis bestand. Die Strecken trockneten zur zweiten Runde größtenteils ab, doch schlammige Passagen gab es noch immer zu genüge. Höchste Konzentration und viel Fingerspitzengefühl, oder wie man im Rallyesport sagt – auf das „Popometer“ kam es an. Georg Berlandy und Frank Schlink fuhren je eine Bestzeit, doch zum Showdown auf der letzten Prüfung sollte es nicht kommen. „Bei der Zieldurchfahrt von WP 5 platzte unser Differential und machte eine Weiterfahrt unmöglich. Das ist wirklich schade…“, erklärte Frank Schlinck, der diesmal mit Hans-Peter Loth antrat, sichtlich enttäuscht am Abend.

 

Somit schafften Georg Berlandy und Peter Schaaf das, was sie am Morgen für nicht möglich hielten. Sie gewannen nach dem Auftakt der Saarländischen ADAC Rallye Meisterschaft in Zerf nun auch den zweiten Lauf und führen das Championat klar an. Frank Reiter konnte die Zeiten nicht ganz halten, belegte hinter Claude Streicher aber dennoch einen guten dritten Gesamtrang und sicherte sich damit wichtige Punkte im Kampf um die Meisterschaft. Großes Pech auch für Michael Rausch, der nach einer tollen Vorstellung auf Podiumskurs lag und nach WP 4 das starke Aggregat mit weißen Rauchschwaden (Schraube am Thermostat abgerissen) abstellen musste. „Das ist sehr schade, doch bei der Rallye Saar Ost greifen wir wieder an“, ließ sich Copilotin Jenny Schonk die gute Laune nicht vermiesen.

 

Dirk Riebensahm und Kendra Stockmar-Reidenbach, deren Elternhaus direkt neben der Prüfung „Elchweiler“ liegt, kämpften sich vom 22. Gesamtrang nach der Auftaktprüfung auf den vierten Rang nach vorne. Willi Stumpf lieferte sich mit Georg Pruchniewicz (Mitsubishi) erneut einen packenden Zweikampf, den er mit 1,5 Sekunden Vorsprung zu seinen Gunsten entschied. Karlheinz Braun (BMW), Hanno Brocker und Jörg Dörre in einem weiteren BMW M3 platzierten sich unter den Top 10, die Andy Schaus als Sieger der Klasse H14 abschloss. Der schwäbisch 318is Pilot Jochen Böhringer zeigte bei den schwierigen Bedingungen seine Klasse und setzte sich gegen Mika Kitola im Honda Civic durch. Einen spannenden und abwechslungsreichen Schlagabtausch lieferten sich Andreas Lambeng und Jens Vogt in ihren spektakulär bewegten Toyota Corolla AE86. Mit 3,1 Sekunden sicherten sich letztgenannter den Sieg, nachdem sich Lambeng / Bonner wegen zu spätem stempeln zehn Sekunden extra einfingen.

 

Zur absoluten Hochform liefen Felix Griebel und Sascha Altekrüger auf. Nach einer schnellen und fehlerfreien Fahrt stellten sie den kleinen Suzuki Swift vor Martin Thom im Peugeot 106 als Klassensieger der N9 auf dem 24. Gesamtrang ab. Damit liegen sie auch in der Juniorwertung der SRM ganz weit vorne.  In der CTC mühte sich Jürgen Lenarz im Opel Kadett C redlich ab und sicherte sich den Sieg vor Werner Selmikeit auf Audi 80.

 

Von 92 gestarteten Teilnehmern erreichten 66 das Ziel in Wertung, damit lag die Ausfallquote bei rund einem Drittel, was dem normalen Durchschnitt bei einer nationalen Rallye entspricht. Die Piloten lobten die gute Streckenauswahl und zeigten sich von der guten Organisation beeindruckt.    

 

Ergebnis Birkenfelder ADAC Löwen-Rallye 2012 

01. Berlandy Georg/Schaaf Peter, BMW M3 E30 21:28,5

02. Streicher Claude/Bellantuono Christine,  Mitsubishi Evo 9 +12,2

03. Reiter Frank/Simon Marco, BMW M3 E30 +20,5

04. Riebensahm Dirk/Stockmar-R. Kendra, Mitsubishi Evo 8 +34,6

05. Stumpf Willi/Zimmer Jenny,  Toyota Celica GT4 +54,0

06. Pruchniewicz Georg/Helfrich Patrick, Mitsubishi Lancer Evo 9 +55,5

07. Braun Karlheinz/Braun Edwin, BMW M3 +58,3

08. Brocker Hanno/Brocker Ingo, Ford Sierra Cosworth +1:18,2

09. Dörre Jörg/Mages Stefan, BMW M3 E30 +1:23,2

10. Schaus Andy/Wanderscheid Patricia, Opel Astra +1:23,4

11. Muntermann Heinz/Emig Andreas, Mitsubishi Lancer Evo 9 +1:24,2

12. Böhringer Jochen/Arnold Patrick, BMW 318is +1:33,8

13. Ortmann Marcus/Kremkau Domenic, Mitsubishi Evo 8 +1:36,0

14. Schmidt Udo/Flechtker Margaretha, BMW 318is +1:40,2

15. Griebel Marijan/Rath Alexander, Opel Astra GTC +1:40,8

 

LINK: Die Bilder der Löwen-Rallye 2012 ...