Schuhej trumpft in Hessen auf – Mit Kommentar!

Die Mitsubishi von Jörg Schuhej und Stefan Göttig liefern sich bei der Werra-Meißner-Rallye ein spannendes Duell. Nach einem Rundenfehler von Göttigs Co gewinnen Jörg Schuhej und Steffen Reith die Rallye 70 in Nordhessen mit großem Vorsprung.

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Die Mitsubishi von Jörg Schuhej und Stefan Göttig liefern sich bei der Werra-Meißner-Rallye ein spannendes Duell. Nach einem Rundenfehler von Göttigs Co gewinnen Jörg Schuhej und Steffen Reith die Rallye 70 in Nordhessen mit großem Vorsprung.

Die Werra-Meißner-Rallye hat sich in diesem Jahr entschieden, ihre Rallye 35 zur Rallye 70 zu vergrößern. Das ist konzeptionell misslungen, mehr dazu am Ende des Reports. Auch die Teilnehmerzahl bleibt wie unterdurchschnittlich wie in den letzten Jahren, nur 37 Teams kommen nach Weißenborn, nur 24 beenden die Werra-Meißner-Rallye in Wertung. Dabei bietet die Veranstaltergemeinschaft aus fünf nordhessischen ADAC-Clubs drei recht anspruchsvolle Prüfungen – zwei Sprints und ein Rundkurs - auf kurvenreichen Asphaltwegen, die durch den Regen am Vormittag und das „Cutten“ bei Besichtigung extrem schmierig werden.

Die beiden Gruppe-H-Evo 7 von Jörg Schuhej und Stefan Göttig dominieren das Geschehen. Auf der ersten der drei Schleifen holt sich Schuhej zwei Bestzeiten, Göttig fährt einmal am schnellsten und liegt in der ersten Drittelpause drei Sekunden zurück. Die Mitsubishi von Björn Henß, Martin Wagner und Lars Anders folgen mit deutlichem Abstand, dahinter führen die BMW-M3-Piloten Sven Karpa und Nick Heilborn die „Zweiradler-Wertung“ an.

Auch in der zweiten Schleife teilen sich Schuhej und Göttig die Bestzeiten, doch im Rundkurs fährt Göttig drei statt zwei Runden und verliert somit über zwei Minuten. Jörg Schuhej und Steffen Reith liegen jetzt uneinholbar vorn und können es sich leisten, den abschließenden Rundkurs über fünfeinhalb Runden – ein Unding! – als Drittschnellste zu beenden. Sie gewinnen mit Minutenvorsprung vor Björn Henß und Susanne Oelszner, den Werra-Meißner-Siegern von 2013. Am grünen Tisch verschieben sich die vorderen Positionen noch. Der drittplatzierte Lars Anders wird wegen zu großer Bremsen ausgeschlossen, der fünftplatzierte Nick Heilborn kassiert drei Minuten Strafe wegen der widersprüchlichen Gelbe-Flagge-Regeln.

Ergebnis ADAC-Werra-Meißner-Rallye

1. Jörg Schuhej / Steffen Reith Mitsubishi Evo 7 H16 36:42,7
2. Björn Henß / Susanne Oelszner Mitsubishi Evo 8 F3A 59,1
3. Stefan Göttig / Andreas von Skopnik Mitsubishi Evo 7 H16 +2:24,8
4. Axel Schmitt / Nina Becker Porsche Carrera 4x4 G21 +4:12,1
5. Marco Mulfinger / Sven Chr. Hupfeld Seat Ibiza Cupra H14 +4:25,2
6. Ringo Braun / Jörg Rietdorf Opel Astra GSi 16V F8 +4:43,7
7. Stefan Laun / Christian Stützer Opel Astra GSi 16V F8 +5:22,6
8. Mike Czekalla / Tim Jünger Opel Astra GSi 16V H14 +5:27,4
9. André Wilhelmstroop / Anni Löseke Honda Civic R F8 +5:38,4
10. Joachim Hischke / Mario Zettlitzer  Opel Corsa A 1.6 F9 +6:20,6

Kommentar:

Zum Glück ist kein Unfall passiert, aber viele Fahrer zeigen sich verärgert darüber, dass der letzte Rundkurs über fünf Runden plus Ausfahrt führt. Das ergibt insgesamt 15 WP-Kilometer auf einem Kurs, der ganz überwiegend auf schmalen, kurven- und kuppenreichen Wirtschaftswegen läuft. Wie eng, schlammig und schmierig diese Asphaltwege sind, zeigt Göttigs Bestzeit von 12 Minuten und 36 Sekunden, was einen Schnitt von rund 70 km/h bedeutet.

Rundkurse sind mit gutem Grund auf zwei Runden plus Ausfahrt begrenzt; für mehr Runden ist eine Ausnahmegenehmigung erforderlich, die es für diesen Kurs niemals gegeben hätte. Also hat der Veranstalter getrickst, um wenigstens das Minimum von 45 WP-Kilometern für eine Rallye 70 zu erreichen: Der Fünf-Runden-Kurs wird gemäß Ausschreibung als „Rundkurs mit Gruppenstart“, denn für diese Start-Methode sind – zum Beispiel für Zuschauer-Rundkurse - bis zu fünf Runden erlaubt. Aber das Rallye-Reglement legt auch eindeutig fest, dass die Rundenzahl „auf die Beschaffenheit und Straßenbreite der WP-Strecke abzustimmen“ ist. 15 WP-Kilometer mit 20-Sekunden-Start auf einspurigen Wegen mit einem Stück Landstraße führt zwangsläufig zum Auflaufen und zu gefährlichen Stoßstange-an-Stoßstange-Aktionen.

Außerdem zieht sich der Zeitplan endlos in die Länge: Obwohl nur noch 26 Fahrzeuge auf den Kurs gehen, muss der letzte Viererpulk weit über eine Stunde auf den Start warten. Fazit: Gut getrickst, aber verantwortungslos gehandelt. Dieses Beispiel darf keine Schule machen!

Alfred Gorny

VIDEO: Werra-Meissner-Rallye