Die Überraschung: Sebastian Loeb Rally Evo

Damit hätte wohl keiner gerechnet. Milestones neues Rallyespiel "Sebastian Loeb Rally Evo" wird dem Namen des Rekord-Weltmeisters gerecht.

Autor: 

Damit hätte wohl keiner gerechnet. Milestones neues Rallyespiel "Sebastian Loeb Rally Evo" wird dem Namen des Rekord-Weltmeisters gerecht.

Als Milestone den neuen Titel „Sebastien Loeb Rally Evo“ ankündigte, hielten sich die Begeisterungstürme in Grenzen. Schließlich ist es den italienischen Entwicklern in vier Jahren mit der offiziellen Lizenz nicht gelungen, ein vollkommen überzeugendes Rallyegame auf die Beine zu stellen. Als man dann auch noch ankündigte, das neue Werk „Sebastien Loeb Rally Evo“ sei die derzeit authentischste Simulation, konnte man sich ein Schmunzeln kaum verkneifen. Nach einem intensiven Test kommt jedoch die faustdicke Überraschung: Milestone hat mit SLRE einen phänomenalen Rallye-Simulator auf die Beine gestellt hat, der in Sachen Physik und Inhalt den heiligen Gral „RBR“ und das kürzlich erschienene „Dirt Rally“ in die Schranken verweist. Gleichzeitig treibt es aber durch absurde technische Schwierigkeiten den Spieler an den Rand der Frustration. 

Welche Probleme gibt es? Nun da sei zum einen das Milestone-typische Bildstottern trotz flüssiger Framerate, kein Triple-Screen Support, ein absolut unzeitgemäßes Controllermanagement, das nur ein USB-Gerät erlaubt und somit einen Großteil der Simracer mit separaten Pedalen oder Handbremse vor unlösbare Kompatibilitätsprobleme stellt, Probleme mit Logitech Lenkrädern, Kupplungs-Bugs bei denen die Bremse nicht mehr richtig funktioniert, grausige Proportionen mancher Automodelle. Die Liste der Fehlbarkeiten ist lang und das, obwohl das Spiel bereits um ein Jahr verschoben wurde, um an der Qualitätsschraube zu drehen. Dass Milestone einen Hardcore Rallye-Simulator entwickelt und die Grundbedürfnisse der Simulations-Fraktion mit Füßen tritt, ist vollkommen unverständlich.


Rallyeweltmeister Loeb, seines Zeichens auch begeisterter Simracer, war tief in die Entwicklung der Fahrphysik involviert und man munkelt, dass es hinter verschlossenen Türen das ein oder andere Mal schwer gekracht haben soll, als der Meister mit dem Fahrverhalten unzufrieden war. Das Resultat hingegen kann sich sehen lassen. Und das ist stark untertrieben! Wenn alles zusammen kommt, man seine Peripherie optimal kalibriert hat und das Spiel so funktioniert, wie es soll, gibt es derzeit keine bessere Rallye-Simulation! Die Fahrphysik ist so natürlich und intuitiv, dass es riesigen Spaß macht den Rallye-Boliden über die sehr anspruchsvollen Prüfungen tanzen zu lassen. Man fühlt regelrecht das Gewicht der Wagen, kann es durch gezieltes Anstellen zum eigenen Vorteil nutzen. Nur ein richtiges Positionieren des Wagens vor der Kurve ermöglicht eine schnelle Zeit. Und während die Konkurrenz aus dem Hause Codemasters durch absurde Bremswege, ein stetes Gefühl immenser Downforce und übermäßigem Grip bei niedrigen Geschwindigkeiten, derartige Fehler rasch verzeiht, ist der Ritt auf der Rasierklinge bei SLRE anspruchsvoller, aber zugleich auch umso befriedigender. Insbesondere die ständig wechselnden Gripverhältnisse auf legendären Monte-Prüfungen erfordern unterschiedliche Fahrstile und sind fantastisch umgesetzt. Das Force Feedback ist (nach einiger Kalibrierarbeit) zweckmäßig und authentisch, bietet aber kaum Rückmeldung über den Grip auf der Vorderachse.

Mit über 300 WP-Kilometern, die gänzlich aus Teilen der echten Wertungsprüfungen bestehen, ist die Faszination Rallye-WM erfahrbar. An die Authentizität und Herausforderung der mittels Onboards und GPS-Daten erstellter Prüfungen in SLRE, kommen fiktive WPs nicht heran. Spätestens wenn man die unvorstellbar technischen Prüfungen Mexikos, oder die wahnsinnig schnellen und teils sehr schmalen Finnland Prüfungen unter die Räder nimmt, ist man vollkommen in der WRC-Erfahrung gefangen und bekommt noch mehr Hochachtung vor der Weltelite des Rallyesports.


Es gibt zwei Hauptspielmodi - eine Karriere, in der man zu Beginn mit einem winzigen Peugeot 106 diverse Rallyes, und Rallycross Events bestreitet, um sich Geld und Ruf zu verdienen, sowie die hochmotivierende Sebastien Loeb Experience. In diesem Szenario-basierten Modus, der mit ausführlichem Videomaterial getrost als Dokumentation über das Leben der Rallyelegende bezeichnet werden kann, durchlebt man einzelne, signifikante Stationen in Loebs Leben und soll es ihm auf den Prüfungen gleichtun. Diese Herausforderungen sind anspruchsvoll und wunderbar umgesetzt. Man startet in einem Citroen Saxo Kitcar, arbeitet sich nach oben über den Xsara Kitcar, einem Fronttriebler mit 280 PS, der auf den feuchten Straßen der Elsass-Rallye einen sehr sensiblen Gasfuß erfordert, über die WRC-Ära, bis hin zu Loebs Ritt auf der Kanonenkugel im 208 T16 im Kampf mit dem legendären Pikes Peak in Colorado.

Dabei schaltet man auch sämtliche Fahrzeuge aus Loeb Karriere in der jeweiligen Originallackierung frei. Bei diesen ist der Detailgrad im Fahrverhalten sofort spürbar und es ist erkenntlich, dass die Entwickler sämtliche Daten des Herstellers, sowie den Input Loebs zur Modellierung des Fahrverhaltens nutzen konnten. Ein Xsara WRC fährt sich eben ganz anders als ein C4, oder ein DS3. Doch es gibt nicht nur die, die Loeb pilotierte. Mit mehr als 70 Fahrzeugen aus sämtlichen Epochen des Rallyesports lässt SLRE die Konkurrenz in Sachen Umfang weit hinter sich und garantiert Langzeitmotivation.

Mit Sebastien Loeb Rally Evo lieferte Milestone sicherlich kein Grafikwunder, auch wenn die Prüfungen durchaus sehr umfangreich gestaltet sind, aber die bemerkenswerte Fahrerfahrung, das mit Abstand wichtigste in einer Simulation, tröstet über (fast) alle Unwägbarkeiten hinweg und belohnt alle, die sich mit der durchaus steilen Lernkurve auseinander setzen, mit einem riesigen Grinsen im Gesicht.

Bleibt nur zu hoffen, dass Milestone ihrem Ruf des „nicht existenten“ Kundenservices dieses Mal nicht gerecht wird und das Potenzial des Titels als würdiger RBR-Nachfolger nicht durch die gegenwärtig vorhandenen, technischen Fehler zu Nichte macht und somit der nächste Hardcore Simulator nach dem legendären Richard Burns Rallye auch zum kommerziellen Flop wird.

Gewinnspiel

Zum Start von „Sebastian Loeb Rally Evo“ verlosen wir zwei Exemplare für die PS4 und zwei Exemplare für Xbox One. Ihr müsst einfach nur eine Mail an info(at)rallye-magazin.de senden, Stichwort „SLRE“, mit Postadresse und Versionswunsch! Einsendeschluss ist am kommenden Freitag, 12. Februar. Die Gewinner werden von uns schriftlich benachrichtigt und wie immer ist der Rechtsweg ausgeschlossen.

Keine Artikel in dieser Ansicht.