Slowakei: WRC-Rolle rückwärts

In der Slowakei wird erneut einiges anders. Die Meisterschaft wird wieder nach den Regeln von 2014 ausgetragen. World Rally Cars mit 1,6 Liter Motor bleiben startberechtigt und es gibt einen neuen Lauf bei den tschechischen Nachbarn in Hustopeče.

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In der Slowakei wird erneut einiges anders. Die Meisterschaft wird wieder nach den Regeln von 2014 ausgetragen. World Rally Cars mit 1,6 Liter Motor bleiben startberechtigt und es gibt einen neuen Lauf bei den tschechischen Nachbarn in Hustopeče.

Der slowakische Verband hatte sich in der Vergangenheit nie an den von der FIA gehegten Wunsch gehalten, World Rally Cars aus seiner nationalen Meisterschaft zu verbannen. Deshalb waren die WRC der alten 2-Liter-Ära auch ständig im Kampf um die slowakische Meisterschale mit guten Fahrern und reichlichen Budgets präsent.

Im letzten Jahr wollte man mit der Öffnung für World Rally Cars der neuen 1,6-Liter-Generation der Meisterschaft einen neuen sportlichen Glanz verleihen. Treibende Kraft dahinter waren die Melichárek-Brüder, die einen Ford Fiesta WRC besitzen. Als Gegenleistung dazu wollten sie den Finallauf in Tribeč unterstützen.

Klares Ziel von Jaroslav Melichárek war es, endlich den slowakischen Meistertitel einzufahren, was Jahre vorher trotz hohen Aufwands nicht gelang. Aber auch die Seriensieger der vergangenen Jahre, Jozef Béreš jun. und der Pole Grzegorz Grzyb konnten dank ihrer Mäzene die entsprechenden Mittel vorweisen und mit neuen WRCs antreten. Zu guter Letzt gesellte sich auch noch Igor Drotár in den illustren Kreis der technischen Aufrüster.

Die Erwartungen an eine sportlich hochwertige Meisterschaft erfüllten sich jedoch nicht. Der Kampf um den Titel mündete unter den neuen Regeln in eine Zweiklassengesellschaft. Vorn fuhren die beiden Fiesta Piloten Grzyb und Melichárek und danach kam der Rest als Ergebnislistenfüller. Béreš  kämpfte überwiegend mit technischen Gebrechen im Mini und Drotár konnte mit seinem DS3 nicht annähernd das Tempo der Spitze mitgehen. Auch ein überragend fahrender Pavel Valoušek jun. im Skoda Fabia S2000 kam aufgrund des technischen Unterschieds nie in Schlagdistanz zur Meisterkrone.

Nach dem Eklat um die Entscheidung in Košice mit der fragwürdigen Disqualifikation wegen angeblich farblich anders gekennzeichneter Hinterachsteile am Wevers Fiesta von Grzyb, war Melichárek plötzlich Titelträger. Bei M-Sport war man mehr als verwundert über das Urteil beim Sportgericht des slowakischen Verbandes. Schließlich hatte man die Wevers Truppe noch mit entsprechenden Unterlagen vor der Verhandlung über die Korrektheit der eingebauten Teile ausgestattet.

Alle Entscheidungen zu Gunsten Melicháreks inklusive der gegen ihn verhängten niedrigen Geldstrafe statt einer Sperre für illegales Trainieren bei der Rallye Lubeník, reichten am Ende nicht aus, dass er seine Zusage der Unterstützung für den Finallauf in Tribeč einhielt. Dem Veranstalter blieb nur noch die Reisleine zu ziehen und die Veranstaltung abzusagen.

1,6l-WRC erhalten keine Punkte

Der Verband reagiert nun auf die Ereignisse mit der Rolle rückwärts und trägt die Meisterschaft wieder nach den Regeln von 2014 aus. Die 1,6-Liter WRC dürfen zwar in der Slowakei starten, erhalten aber keine Punkte. Da der geplante Verkauf des Fiesta WRC bisher nicht zu Stande kam, startet nun Melicharek beim Saisonauftakt in Eger lediglich als Favorit für den Gesamtsieg.

Profitieren von den neuen Regeln dürften nun die Fahrzeuge der R5-Kategorie. Allen voran sind Pavel Valoušek jun. mit seinem neu erworbenen Skoda Fabia R5 und Grzegorz Grzyb im Ford Fiesta R5 die großen Titelfavoriten. Grzyb wollte ursprünglich im Ford Focus WRC 06 von Jan Dohnal antreten. Nach Abgabe der Nennung bekam er aber den Hinweis über eine Passage bzgl. der Punktberechtigung alter 2,0-Liter WRC, worin geschrieben steht, dass nur WRC mit abgelaufener Homologation Punkte für die Meisterschaft erhalten. Der Focus hat noch eine gültige Homologation bis zum Ende des Jahres.

Auch wenn in diesem Jahr wieder nur zwei große Titelanwärter in der Slowakei antreten, so hofft man, dass die Abstände der Spitze zu den übrigen Fahrern deutlich geringer sind als im letzten Jahr. Im Feld der Verfolger reihen sich Tomáš Kukučka im Fabia R5 sowie Vlastimil Majerčák und József Trencsényi mit jeweils neuen Fiesta R5 Evo ein. Auch die WRC alt Fraktion mit den beiden Skoda Fabia WRC von Igor Drotár und Tomáš Ondrej sowie Jaromír Tomaštík im Subaru Impreza WRC 06 bringt wieder technische Abwechslung ins Starterfeld.

Um sich nicht wieder mit nur fünf Veranstaltungen über die Saison retten zu müssen, hat der slowakische Verband kurzer Hand mit dem tschechischen Nachbarverband eine Einigung zur Austragung eines Meisterschaftslaufes in Hustopeče erzielt und kann wieder einen Kalender von sechs Veranstaltungen präsentieren.

Termine Slowakische Meisterschaft 2016

01.04. - 03.04. Eger Rally (HUN)

06.05. - 07.05. Rally Prešov

17.06. - 18.06. Rally Hustopeče (CZE)

22.07. - 23.07. Rallye Tatry Poprad

11.08. - 13.08. Rally Lubeník

09.09. - 11.09. Rally Košice