Histo-Monte: Spannung bis zum Schluss

Die einen genossen das Bombenwetter und einen schönen Ausflug in die Berge, die anderen kämpften am letzten Tag der Histo-Monte in einem packenden Finale um den Sieg.

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Die einen genossen das Bombenwetter und einen schönen Ausflug in die Berge, die anderen kämpften am letzten Tag der Histo-Monte in einem packenden Finale um den Sieg.

Kaum im Hafen von Monte Carlo angekommen, ging das Gerücht um, der Führende würde das Ziel nicht erreichen. Aber schon oben am Col de Turini bei der Mittagsrast winkte Dietmar Gornig ab: Sein Audi Quattro war leicht erhitzt und musste ein bisschen durchatmen, aber es bestand kein Grund zur Sorge. Die Technik sollte keinen Ausschlag geben im Kampf um den Sieg bei der 20. AvD-Histo-Monte. Nachdem Theo und Christoph Wellmann ihre Führung wegen eines einzigen Patzers am Vortag verloren hatten, lagen die Westfalen vor den letzten fünf Prüfungen der finalen Schleife von Cannes nach Monte Carlo auf ihrem BMW 325 ix in Lauerstellung. Gornig und Copilot Stephan Hinze versuchten, die Ruhe zu bewahren. „Wenn man in Führung liegt, spürt man schon den Druck“, gestand der Meyenburger.

Jeden Druck von sich genommen hatten nach langer Leidensgeschichte mit der Kupplung ihres Opel Ascona Lars Blunck und Norbert Aschmann. „Das wollten wir dem armen Auto nicht zumuten, zumal wir gestern so einen Bock geschossen haben, dass wir eh weit zurückgefallen sind“, sagte Blunck. Das Duo verlebte einen entspannten Tag in Cannes, während 75 von 80 gestarteten Teams sich einen Ausflug über einige der schönsten und geschichtsträchtigsten Strecken der Rallye Monte Carlo gönnten. Die finalen 215 Kilometer führten über den Col de Braus, den Col de Castillon, selbstredend über den Col de Turini und wie bei der 2016er Ausgabe der WM-Rallye zurück über den Col de l’Orme mit seinen zwei Dutzend Spitzkehren.

Die erlebte das Duo Gérard Meeuvissen und Marc Ramscheidt nicht mehr. Die am Vortag im Grand Canyon nach einem Steintreffer zurechtgebogene Radaufhängung schwächelte wieder. Die guten Geister vom AvD-Pannenservice rieten nach der Begutachtung des Querlenkers aus Sicherheitsgründen zur Aufgabe.

Vier Tage hatte Mechaniker Andreas Huth als Schutzengel des Mercedes 350 SLC mit der Startnummer 24 nicht das Geringste zu tun, aber einen Kilometer vor dem Ziel meldete sich die Zündung ab. Das Auto von Rainer Brunotte Senior und Junior erreichte das Ziel am Abschleppseil. Immerhin: Die Besatzung hatte es nicht weit nach Hause. „Wir wohnen einen Kilometer von hier“, sagte Brunotte Senior. Während der sportliche Teil der AvD-Histo-Monte eigentlich beendet war, erwachte in Mechaniker Huth der sportliche Ehrgeiz. Er hatte eine von überlaufender Servoflüssigkeit kurz geschlossene Zündspule im Verdacht und schwor: „Dieses Ding fährt auf eigenen Rädern hier raus.“

Auf den letzten Gummis erreichte der Opel Ascona von Horst und Jörg Friedrichs das Ziel. Gleich zwei Reifenschäden erlitten die Eifeler auf der letzten von 27 Prüfungen. In nur acht Minuten tauschten Vater und Sohn beide Räder. Zum Glück hatten sie zwei Ersatzräder dabei.

Nach Drama roch es auch im Volvo von Michael Heinrich. Die AvD-Spezialisten Matthias Tautz und Eberhard Schöll schweißten einen am eisernen Faden hängenden Auspuff, mit dem das Paar Heinrich und Jana Tetzke das Ziel am Quai Albert in Monaco glücklich erreichte. Die Aufregung steigerte sich unmittelbar nach der Zieldurchfahrt noch erheblich. Heinrich kniete im Zielbogen nieder und hielt um die Hand seiner Lebensgefährtin an. Beide versprachen zum Einjährigen wieder bei der AvD-Histo-Monte anzutreten.

Toivonen: "Es war ganz still im Auto"

Gern wiederkommen würde auch Harri Toivonen. Der Finne gab zwar zu, dass Temposchnitte von 46 km/h nicht seinem Naturell entsprächen, aber der Nordmann genoss das Wochenende in den Seealpen: „Kompliment an Peter Göbel und all die Leute aus seinem Team, die sich so großartig um alles gekümmert haben. Es war eine tolle Veranstaltung, und vielleicht gelingt es ja mal ein Auto wie einen Lancia 037 zu besorgen. Damit käme ich sehr gerne wieder.“ Für den Ehrengast, dessen Vater Pauli vor 50 Jahren in Monte Carlo gewann und sein Bruder Henri vor 30 Jahren, war gerade der Sonntag ein besonderer Tag: „Als wir auf die Strecke zum Turini gingen, wurde es ganz still im Auto.“

Angespannte Ruhe herrschte im Ziel auch unter den Topteams. Mit nur 20 Strafpunkten mehr oder umgerechnet zwei Sekunden waren die Wellmänner in die Etappe gegangen, aber die Konkurrenz behielt die Nerven. Nach vier Tagen und 1655 Kilometern gewannen Dietmar Gornig und Stephan Hinze die Jubiläumsausgabe der AvD-Histo-Monte. Die Entscheidung war erst auf der vorletzten Prüfung gefallen, wo Theo und Christoph Wellmann um 5,6 Sekunden zu schnell im Ziel waren und 56 Strafpunkte kassierten. Die Westfalen wurden gar noch auf den dritten Platz verwiesen, weil Franz und Thomas Roth im Opel Ascona B einen starken Schlussspurt hingelegt hatten. Die Sanduhrklasse gewannen die Routiniers Dr. Ernst Schröder und Willy Potjans im Porsche 356.

Freudig überrascht war das Gespann Matthias Kahle und Bianca Leppert. Die Beifahrerin des zweimaligen Histo-Monte-Siegers bestritt im Werks-Skoda 130 RS ihre erste historische Rallye und landete mit dem deutschen Rallye-Rekordmeister auf dem vierten Gesamtrang. Die Journalistin aus Wörthsee hatte bei 13 Grad und strahlendem Sonnenschein im Hafen von Monte Carlo eine Eingebung: „Ich glaube, ich muss so was öfter machen. Das wäre ja auch ein schönes Hobby fürs Alter.“

Mehr Infos unter www.avd-histo-monte.de