Histo-Monte: Von Schluchten und Schlachten

Das Feld der AvD-Histo-Monte kämpfte sich auf dem Weg ans Mittelmeer über hohe Berge und durch tiefste Täler. Tag drei brachte strahlende Sonne, grandiose Landschaften und einen neuen Spitzenreiter.

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Das Feld der AvD-Histo-Monte kämpfte sich auf dem Weg ans Mittelmeer über hohe Berge und durch tiefste Täler. Tag drei brachte strahlende Sonne, grandiose Landschaften und einen neuen Spitzenreiter.

Das große Thema des dritten Tages bei der Histo-Monte waren Bretter. Die einen hatten sie auf dem Dach, die anderen vor dem Kopf. Kaum hatten die 77 verbliebenen Teilnehmer am Morgen Aix-les-Bains über den Col du Granier verlassen, stürzte der kleine Rallyetross in eine Karawane von Skiurlaubern. Halb Frankreich schien sich an diesem Samstag auf die weißen Pisten stürzen zu wollen.

Keiner litt an dem Stop-and-Go wie Lars Blunck. Sein Ascona A beklagte schon am Vortag ein waidwundes Ausrücklager der Kupplung. Ersatz ließ sich nicht finden. Mit Notreparatur ackerte sich die Nummer 31 durch den Stoßverkehr. Vor allem die Gleichmäßigkeitsprüfung am Lac de Serre-Ponçon machte dem Opel zu schaffen. Mit schleifender Kupplung musste Blunck zur Lichtschranke schleichen. „Das ist so wie 40 Mal anfahren“, sagte der Fahrer mit schiefem Grinsen. Das Etappenziel erreichten Blunck und Beifahrer Norbert Aschmann, allerdings war am Abend noch unklar, ob der Ascona den finalen Sonntag noch in Angriff nehmen kann.

Ein unglückliches Ende nahm das Wochenende für den tapferen Fiat 1100 der Frohnaturen Hermann Unold und Jürg Hügli. Das mit Baujahr 1953 älteste Auto im Feld strandete kurz vor dem Etappenziel Cannes mit zerrissenem Getriebe. Endgültig aus dem Wettbewerb ist auch der Innocenti Mini des Duos Heinrich Resch und Jürgen Schwiertz mit einem kränkelnden Motor. Um ein Haar wäre auch die belgische Besatzung Gérard Meeuwissen und Marc Ramscheidt auf der Ausfallliste gelandet. Auf der vorletzten Tagesprüfung lauerten Steinschläge auf der Fahrbahn. Ein Stein schlug die Lenkung am Lancia Delta Integrale krumm. Die heraneilenden Mechaniker des Škoda-Teams von Jens Herkommer halfen. Die guten Geister vom AvD-Pannenservice waren schon aus der Prüfung und drehten für die Havarierten um. Die konnten sich ins Ziel retten, nachdem ein verbogener Querlenker wieder halbwegs geradegebogen war.

Nur leichte Ausfälle auf Seiten der Besatzungen hatten mitunter große Wirkung. Zwei geheime Sollzeitmessungen auf den Prüfungen 19 und 20 sorgten für Hektik und Verwirrung. Selbst einige Topteams passierten die Prüfungen nicht ordnungsgemäß. So erwischte es auch die Spitzenreiter Theo und Christoph Wellmann, die auf der 19. Prüfung die auf einem Schotterstreifen aufgebaute Pylonengasse mit Lichtschranken versehentlich ausließen. „Das habe ich vergeigt“, sagte Wellmann senior reumütig. Zumindest äußerlich nahm er den Rückfall auf Platz zwei gelassen: „Wenn wir gewonnen hätten, wäre das Ding hier ja durch gewesen. So haben wir noch 20 Jahre was zu erzählen.“ So ganz kampflos wollten die Wellmänner den Sieg dann aber doch nicht herschenken, Sohn Christoph sprintete am Abend in Cannes mit einem Klärungsformular ins Rallyebüro, bevor die Protestfrist ablief. über die Situation, die ihn auf Platz zwei zurückwarf. Den Tagessieg und auch den ersten Platz im Gesamtklassement sicherten sich derweil Dietmar Gornig und Stephan Hinze im schneeweißen Urquattro.

Die Sollzeitmessungen waren aber nur ein Teil der Fallen, die der dritte Tag bot. Auf Seite 137 des Roadbooks lenkten dicke Kringel mit belanglosen Informationen von einem kleinen schwarzen Pfeil ab, der die notwenige Fahrtroute kennzeichnete. Den Pfeil nahm nur ein gutes Viertel des Feldes zur Kenntnis. Zufällig war an besagter Stelle eine Durchfahrtskontrolle postiert. Drei Viertel des Feldes hatten ein Brett vor dem Kopf und kassierten 50 Strafpunkte.

Versemmelte Kontrollen und bröckelnde Autos konnten den Genuss nur mäßig trüben. Zum einen strahlte eine warme Wintersonne vom Himmel. Beim Mittagshalt in Crots nahmen die meisten ihren Kaffee auf der Terrasse zu sich. Mancher Teilnehmer nahm schon ein Sonnenbad. Schnee war im Vergleich zum Freitag eher rar, dafür glänzte die dritte Etappe mit umwerfender Landschaft. Das bildschöne Tal der Ubaye östlich von Gap war nur das Aufwärmprogramm. Am späten Nachmittag durchquerte der Tross den Grand Canyon du Verdon. Die bis zu 700 Meter tiefe Schlucht ist eine der tiefsten Europas, nichts für Höhenkranke und bietet an vielen Stellen sagenhafte Ausblicke.

Für die letzten Starter ging über dem Canyon ein praller Vollmond auf, der den Autos den Weg über die letzte Erhebung des Küstengebirges wies. Unter dem Abendrot lag der dunkle Teppich des Mittelmeeres. Davor glitzerten die Lichter von Cannes, dem heutigen Etappenziel.

Mehr Infos unter www.avd-histo-monte.de