Monte-Historique: Drei Mal mehr Starter als der WM-Lauf

Zum ersten Mal ist Bad Homburg einer von fünf Startorten für die berühmte Gleichmäßigkeitsveranstaltung. 75 der insgesamt 310 Teilnehmer rollen am 29. Januar über die Rampe vor dem Casino.

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  • Michael Stoschek und Beifahrer Peter Göbel haben sich penibel auf die Monte Historique vorbereitet

Zum ersten Mal ist Bad Homburg einer von fünf Startorten für die berühmte Gleichmäßigkeitsveranstaltung. 75 der insgesamt 310 Teilnehmer rollen am 29. Januar über die Rampe vor dem Casino.

Kaum haben am Sonntag die WM-Teams den Serviceplatz am Hafen von Monaco geräumt, macht sich die nächste Rallye-Karawane auf den Weg in das Fürstentum am Mittelmeer. Dann zwitschern allerdings nicht Turbomotoren durch die Seealpen, sondern erfüllt das Röhren von guten alten Saugmotoren die Schluchten und Täler – die Rallye Monte Carlo Historique ist eine Gleichmäßigkeitsveranstaltung für Fahrzeuge bis maximal Baujahr 1980. Und die ist mit 310 Teilnehmern mehr als drei Mal so gut besetzt wie ihr aktuelles Pendant - bei übrigens 4.600 Euro Nenngeld!

Die Starterliste strotzt nur so vor Autos, die Rallyegeschichte geschrieben haben: Porsche 911, Renault Alpine, Lancia Fulvia, Ford Escort, Opel Kadett, BMW 2002, Mini und VW Käfer finden sich hier. Aber auch Exoten wie Wartburg 353, DAF 66, Polski-Fiat, GAZ Volga und Panhard.    

Gleichmäßigkeitsrallye bedeutet: Es wird nicht auf Bestzeit gefahren, sondern eine vorgegebene Durchschnittsgeschwindigkeit muss möglichst exakt eingehalten werden. Die Teams können je nach sportlichem Ehrgeiz aus drei Schnitten auswählen. Der höchste beträgt 50 km/h, ungefähr zwei Drittel aller Teilnehmer haben sich dafür entschieden. Die Einhaltung wird durch geheime Kontrollen überwacht, teilweise auch per Satellitennavigation. Jede Abweichung wird bestraft.

Die Route folgt weitgehend den historischen Vorlagen. Von Saint-André-les-Alpes in den Alpen geht es am Samstag, 30. Januar, nach Monte Carlo (328 km). Von dort am folgenden Tag nach Valence (501 km), das auch am Montagabend Ziel der dritten Etappe ist (325 km). Von Valence aus führt die Strecke zurück nach Monaco (476 km), wo am Dienstagabend die letzte Schleife bei Dunkelheit gestartet wird (178 km). Die ersten Fahrzeuge werden kurz vor zwei Uhr am Mittwochmorgen im Ziel in Monaco erwartet. Auf dem Programm stehen 13 Prüfungen, darunter Klassiker wie „Burzet“, „St.Bonnet le Froid“ und natürlich die Überfahrt über den Col de Turini.

Am Anfang steht nach traditionellem Vorbild die Sternfahrt aus verschiedenen Startorten nach Südfrankreich. Und so rollen zum ersten Mal seit 1997 wieder Rallyeautos über die Startrampe vor dem Kasino in Bad Homburg (Freitag, 29. Januar, ab 12:00 Uhr). Zuvor findet die Technische Abnahme für die rund 75 Fahrzeuge beim örtlichen Autohaus B&K statt. Sie haben 1.240 Kilometer Anreise zum Sammelpunkt Saint-André-les-Alpes vor sich. Die Route führt über Frankfurt, Kaiserslautern und Saarbrücken nach Frankreich.

Michael Stoschek und Beifahrer Peter Göbel (Porsche 911) starten in Barcelona, neben Oslo, Glasgow und Reims eine weitere der insgesamt fünf Alternativen. Der ehemalige Europameister für historische Rallyes und der frühere Copilot des Deutschen Rallyemeisters Mathias Kahle sind eins von rund 20 deutschen Teams unter den insgesamt 300 Teilnehmern.   

Stoschek und Göbel haben sich akribisch auf die erstmals gemeinsam bestrittene Rallye vorbereitet. „Wir haben alle Prüfungen trainiert und sogar einen Streckenaufschrieb beinahe wie für eine Bestzeit-Rallye erstellt“, erzählt Göbel. „50 km/h hört sich nicht besonders schnell an. Aber wenn die Straße komplett zugeschneit oder vereist ist, ist auch ein 50er Schnitt harte Arbeit.“

Das größte Problem ist dabei laut Göbel, immer exakt zu wissen, welche Strecke man seit dem Start bereits zurückgelegt hat. „Weil je nach Straßenverhältnissen an den Rädern Schlupf entsteht und deswegen Tripmaster falsch anzeigen, habe ich mir zusätzliche fixe Punkte am Streckenrand notiert.“ Zum Beispiel im Verlauf der 54 Kilometer langen Prüfung über den legendären Col de Turini kommen so 121 Kontrollpunkte zusammen. Denn schon 50 Meter Abweichung ergeben falsche Durchfahrtzeiten – und können über Sieg oder Niederlage entscheiden.

LINK: Die Nennliste für die Rallye Monte Carlo Historique