Erik Carlsson: Abschied von 'Carlsson auf dem Dach'

Er war die erste große Rallyelegende überhaupt: Erik Carlsson sorgte im Saab für jede Menge Spektakel, aber auch Überschläge, die ihm schnell seinen Spitznamen ‚Carlsson auf dem Dach’ einbrachten. Heute ist der Schwede im Alter von 86 Jahren verstorben.

Er war die erste große Rallyelegende überhaupt: Erik Carlsson sorgte im Saab für jede Menge Spektakel, aber auch Überschläge, die ihm schnell seinen Spitznamen ‚Carlsson auf dem Dach’ einbrachten. Heute ist der Schwede im Alter von 86 Jahren verstorben.

Der Name Erik Carlsson ist fest mit Saab verbunden. Der Schwede, der nach seiner Heirat mit Pat Moss nach Großbritannien zog, begann Mitte der 1950er-Jahre mit dem Zweizylinder-Modell 92, später folgten der 93s und 96s mit Dreizylinder-Motoren, ehe der 96 mit V4-Triebwerk 1967 folgte. Carlsson überschlug sich schon bei seiner zweiten Rallye 1953 mit dem 92er und weil zur gleichen Zeit die beliebte Serie 'Carlsson vom Dach' im Radio lief, hatte er seinen Spitznamen weg. Der stämmige Nordmann trug ihn jedoch mit so viel Stolz, dass auf seiner Fahrertür stets “Carlsson pa taket“ zu lesen war.

Eine häufig kolportierte Legende besagt, dass der Saab besonders auf kurvigen Strecken besonders gut war, doch für das ständige Herausbeschleunigen war Leistung vonnöten und gerade die war nicht vorhanden. Erik Carlsson hatte eine ganz simple Technik entwickelt, um das Handicap zu kaschieren: Er hörte einfach auf zu bremsen. Das mittlere Pedal benutzte er meist lediglich, um mit dem linken Fuß die Hinterräder etwas zu verlangsamen, während das Motörchen vorn weiter zog. Der Effekt war sozusagen „Handbremse Light“ und durch das so erfundenen Linksbremsen ließ sich das Einlenkverhalten prima verbessern.

Mit dem Sieg bei 1000-Seen-Rallye feierte Carlsson 1957 seinen ersten großen internationalen Erfolg. Zwei Jahre später gewann Carlsson die Rallye Schweden und 1962 und 1963 die Rallye Monte Carlo. Dreimal in Folge – von 1960 bis 1962 – triumphierte er bei der RAC Rallye. Richtig populär wurden Carlsson und sein Saab allerdings durch die Rallyes, die er nicht gewann. Bei der Monster-Veranstaltung Spa-Sofia-Lüttich bretterten die Teilnehmer in 70 Stunden über knapp 3.500 Kilometer nach Bulgarien und zurück. Carlsson wurde hinter Rauno Aaltonen im Austin Healey Zweiter und nannte dies seine beste Leistung.

Durch seine Siege in Großbritannien und Monte Carlo gewann Carlsson die Teilnahme an der Safari-Rallye, die er in sechs Versuchen seit 1962 auch nie gewinnen konnte. Im ersten Jahr fuhr er viel zu schnell. Schon beim Testen meinte sein Beifahrer, ein ausgefuchster Lokalmatador, der im zivilen Leben Zahnarzt war, dem Tod ins Auge gesehen zu haben. Er rief wenig später an, er könne nicht fahren, seine Frau habe ihm den Start mit diesem Verrückten aus Europa verboten. Der Saab zerbröselte mal am hohen Tempo, mal traf er im Dunkeln ein wildes Viech und mal steckte er im Schlamm fest oder verirrte sich, weil der Tripmaster den Geist aufgab.

Endgültig zur Legende wurden die kugeligen Saab, als Beifahrer Gunnar Palm mit Carlsson 1964 auf einer total verschlammten Straße feststeckte. Gegen den heftigen Protest seines Fahrers ließ Palm mit einheimischer Hilfe das Auto seitlich übers Dach kippen, eine kleine Böschung runterrollen, und schon stand man wieder im Trockenen. Auf der Strecke blieben lediglich ein Scheinwerfer und die Frontscheibe. Die versammelte Presse mochte die Geschichte nicht glauben und so wälzte die Saab-Besatzung ihr Gefährt ein weiteres Mal übers Dach.

Genau wie seinem Schwager, der Formel-1-Legende Stirling Moss, blieb Carlsson ein großer Titel im Sport verwehrt. Doch der enorme Popularitätsschub für die Marke Saab und den Rallyesport generell bleiben für immer mit 'Carlsson vom Dach' verbunden.